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Fluch oder Segen? Kommerzielle Altkleiderverwertung

Kommerzielle Altkleidersammlung mit Verwerung im Inland

Da im Inland die Folgen des Handelns besser abgeschätzt werden können, bietet es sich an, zunächst in Deutschland nach Möglichkeiten zu suchen, bevor man Kleidung nach Afrika verschifft und damit ökologisch und ökonomisch oft nicht absehbare Folgen in Kauf nimmt.

Verkauf an Second-Hand-Läden


Gerade in Großstädten gibt es Zahlreiche Second-Hand-Läden, die gut erhaltene Kleidung annehmen und verkaufen. Aber Achtung: Nicht jeder Second-Hand-Laden kauft Kleidung an; manche verkaufen nur auf Kommission also muss Kleidung die keinen Abnehmer gefunden hat wieder zurückgenommen werden

Flohmarkt

Auch hier wird Altkleidung verkauft.

Kommerzielle Sammlung mit Gebrauchtkleidungsexport ins Ausland

Am häufigsten verbreitet ist die „Möglichkeit Altkleidercontainer“, die mit dem kommerziellem Weiterverkauf der Kleidung verbunden ist. Auch karitative Sammlungen verkaufen die in Deutschland nicht wiederverwendbare oder sogar die gesamte gesammelte Kleidung an solche kommerziellen Anbieter (mehr unter „karitative Sammlung“). Was passiert mit der Kleidung nachdem sie im Container gelandet ist?

Die Kleidung geht an Sortierfirmen in Deutschland oder im europäischen Ausland

Sortierte und unsortierte Ware wird ins Ausland transportiert:

  • Mittel- und Osteuropa (zum Sortieren, eigenen Verbrauch und Verkauf in Richtung Osten)
  • Tunesien (zum Sortieren und Arbeitsplatzbeschaffung, nur begrenzter Verkauf in Tunesien selbst gestattet)
  • Dubai/Vereinigte Arabische Emirate (Sortier- und Handelsplatz für Altkleider, 8280 Tonnen)
  • Türkei (Freihandelszone)

Dann erreichen die Waren die Länder des globalen Südens und werden dort für zwischen 30 und 80 Eurocent das Stück verkauft. 60 – 70% des afrikanischen Textilbedarfs wird über Altkleiderlieferungen gedeckt.

Altkleiderexporte: Fluch oder Segen?

Der Export von Altkleidern in den globalen Süden ist ein zweischneidiges Schwert und es ist schwer zu sagen, ob und wenn ja in welchem Maße Altkleiderexporte den Ländern des Südens schaden.
Wir haben versucht für euch die Vor- und Nachteile aufzulisten:

Nachteile:

  • Zerstörung des einheimischen Textilmarktes
  • Diktat westlicher Mode
  • Monopolisierte Import- und Handelsstrukturen (wenige Importeure bestimmen die Preise)
  • Verlagerung der Sortierbetriebe in Billiglohnländer

Vorteile:

  • gute Kleidung zu einem fairen Preis erhältlich
  • noch gute Kleidung wird verwertet
  • großer neuer Arbeitsmarkt in Sortierbranche und im Verkauf von Altkleidung

Für verträglichere Altkleiderexporte sind folgende Verbesserungen nötig (laut des Dialog-Programms von FairWertung):

  • Keine Überschwemmung mit Hilfsgütern, sondern qualitativ gute Kleidung zu einem fairen Preis
  • fordern aber bessere Kontrollen für Qualität und Import
  • lokale Produktion fördern, damit sie Marktnischen findet
  • Anteil an geschmuggelter Ware senken
  • Schutz vor asiatischer Billigware
  • Recht auf Selbstbestimmung in Bezug auf Kleidung und Mode

Uns ist es schwer gefallen uns eindeutig auf die Seite der Befürworter oder der starken Kritiker zu stellen, da Altkleiderexporte sehr ambivalent sind. Ob die negativen Effekte der Altkleiderexporte überwiegen und tatsächlich die  Textilmärkte in Ländern des Südens zerstört werden oder ob die positiven Effekte überwiegen, konnten wir nicht herausfinden.
Kritiker_innen sehen die massive Einfuhr von Gebrauchtkleidung in afrikanische Länder als Ursache für einezerstörung der dort angsiedelten Textilproduktion (hier ein Beispiel aus der taz).
Andere Quellen behaupten jedoch, dass nicht die Gebrauchtkleiderexporte an sich für die Zerstörung der einheimischen Textilproduktion waren, sondern vor allem die Strukturanpassungsmaßnahmen von IWF und Weltbank. Sie hätten zu negativen Wirtschaftsentwicklungen beigetragen, die letztendlich die Kaufkraft in den jeweiligen Ländern vermindert hätten. Durch den Kaufkraftverlust seien die einheimischen Kleidungsprodukte dann schlichtweg zu teuer gewesen, sodass der Gebrauchtkleidermarkt davon profitiert habe (dazu die Ergebnisse eines Dialogprogramms zwischen dem Dachverband gemeinnütziger Gebrauchtkleidungssammler und Vertretern aus afrikanischen Ländern).
Welches dieser Argumente wirklich näher an der Realität ist, konnten wir bisher nicht abschließend klären.

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2 Antworten zu “Fluch oder Segen? Kommerzielle Altkleiderverwertung

  1. Danke!

    ….aber Nachteile und Vorteile sollten umgekehrt sein, oder ;-)?

    Anna

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